„Seit wann gibt es Christentum?“
In einer gemeinsamen Veranstaltung des Ev. Kirchenkreises Dinslaken und des Fördervereins Baudenkmal Kirche Götterswickerhamm ging es am Mittwochabend in der Schinkelkirche Götterswickerhamm um die Frage „Seit wann gibt es Christentum?“ Dr. Klaus Wengst, Professor für Neues Testament und Judentumskunde an der Ruhruniversität Bochum beantwortete diese Frage in seinem klaren und verständlichen Vortrag.
Schon einleitend räumte Prof. Wengst mit der allgemeinen Vorstellung auf, das Christentum habe mit Jesus von Nazareth begonnen. Unter Hinweis darauf, dass Jesus als Jude geboren wurde, als Jude gelebt hat und als Jude gestorben ist, wäre er ein Stifter des Christentums gewesen, der zeitlebens einer anderen Religion angehört hat als der, die er gestiftet haben soll.
Bei seinem lebhaften Durchgang durch das Neue Testament schloss er den als ersten christlichen Märtyrer geltenden Stephanus und Paulus, den Verkünder des Evangeliums von Jesus Christus, als „Christ“ aus. Das galt auch für die von Lukas in Antiochien erstmals als „Christianoi“ bezeichneten Schüler wie auch für die von der römischen Provinzialbehörde Antiochiens genannten Christianer, Versammlungen von Juden und Gottesverehrern, die sich außerhalb der Synagogen in Privathäusern auf einen Christus bezogen.
Prof. Wengst wies dann auf die Schriften außerhalb des Neuen Testaments aus dem ersten Drittel des zweiten Jahrhunderts hin, aus denen deutlich werde, wie sich eine eigene christliche Identität durch bestimmte Riten im ausschließenden Gegensatz zum Judentum herausgebildet habe. Fasten- und Gebetspraxis sowie der Sonntag statt des Schabbats wurden hier erwähnt.
Anschließend stellte der Referent fest, dass, wenn die Geburt des Christentums durch den ersten und erhaltenen Gebrauch des Begriffs „Christentum“ bei Ignatius von Antiochien angezeigt würde, dieses Christentum einen Geburtsfehler hätte, nämlich den, antijüdisch zu sein, und so habe es sich ja auch in der Tat über Jahrhunderte gebärdet.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von dem Klezmer-Ensemble der Universität Duisburg-Essen, Leitung Michael Weigelt-Liesenfeld, mit jiddischem Liedgut, sowohl vokal als auch orchestral, auf höchstem Niveau umrahmt.
Käthe Benninghoff