Diakonisse Erika Wagner gestorben

Am 15. Juli 2011 ist Gemeindeschwester Erika Wagner im Alter von fast 99 Jahren verstorben.

Die Ev. Kirchengemeinde Götterswickerhamm war für Schwester Erika ein wichtiger Eckpfeiler ihres Tuns. Viele Gemeindeglieder erinnern sich noch gerne an die hilfsbereite und fürsorgliche Diakonisse. Nach der Ausbildung in Kaiserswerth, der sich Tätigkeiten an verschiedenen Wirkungsstätten anschlossen, folgte sie am 5. Juni 1945 dem Ruf nach Götterswickerhamm. „Mit Pferd und Wagen“, so erzählte Schwester Erika einmal, „kam ich in Voerde an. Durch die Kriegszerstörungen ging die Zugverbindung damals nur bis Dinslaken, denn die weitere Strecke war noch nicht fertiggestellt“.

Das Arbeitsgebiet von Schwester Erika umfasste die Ortschaften Löhnen, Mehrum, Möllen, Götterswickerhamm und einen Teil von Voerde. Ein Fahrzeug stand ihr damals für die weiten Wege nicht zur Verfügung. Per pedes und bei Wind und Wetter ging sie von Haus zu Haus, um zu pflegen, zu helfen und zu beraten. „Später“, so erinnerte sich Schwester Erika einmal, „bekam ich dann ein Fahrrad geschenkt und nach einigen Jahren erhielt ich ein Motorrad. Als meine Gesundheit dann nicht mehr mitspielte, kaufte mir die Kirchengemeinde ein kleines Auto, einen Lloyd“.

Vielfältig waren die Aufgaben, die sie täglich zu erfüllen hatte. Krankenpflege und Seelsorge standen bei ihr an erster Stelle, wobei die Pflege den größten Teil des Tages forderte. Dass sie auch kräftig Hand anlegen konnte, bewies sie in den ersten Jahren ihrer Tätigkeit in der Kirchengemeinde Götterswickerhamm. Nach dem verlorenen Krieg suchten auch in Voerde viele Flüchtlinge eine Unterkunft. Sie richtete Suppenküchen auf den Dielen verschiedener Bauernhöfe ein, kochte gemeinsam mit den Frauen des Dorfes in riesigen Kesseln Suppen und versorgte so die hungernden Menschen mit einer warmen Mahlzeit.

Aber damit war die Arbeit der Gemeindeschwester noch nicht erschöpft. Obwohl der Tag auch für sie nur 24 Stunden hatte, stand sie in der wenigen Freizeit, die ihr verblieb, noch mitten im Gemeindeleben. Kindergottesdienst und Jungschar hielten sie ganz schön auf Trab. Daneben gab es noch einen Mädchenkreis, eine Theater- und eine Tanzgruppe. Sie ließ in den Rheindörfern die Frauenhilfen wieder aufleben, die sich während des Dritten Reiches aus der

Öffentlichkeit zurück gezogen hatten, und leitete diese viele Jahre. Auch die Seniorenfreizeiten, die sie immer liebevoll organisierte, sind vielen Gemeindegliedern noch in guter Erinnerung.

Ein Steckenpferd von Schwester Erika war der Frauenchor, für den sie die letzte freie Minute opferte, denn sie hatte ihn einst aus der Taufe gehoben. „Die Singegruppe gebe ich nicht auf. Diese Arbeit ist ein Ausgleich für mich“, sagte sie einmal.

Ein besonderer Höhepunkt in ihrem Leben war die Verleihung des Goldenen Kronenkreuzes der Diakonie, das ihr am 10. November 1989 vom Diakonischen Werk im Rheinland überreicht wurde.

Kurz nach Vollendung ihres 90. Lebensjahres, am 10. November 2002, als ihre Kräfte nicht mehr ausreichten um sich selbst zu versorgen, zog sie in das Mutterhaus nach Kaiserswerth. Dort verbrachte sie ihren Lebensabend. Ihre letzte Ruhe findet sie auf dem Schwesternfriedhof in Kaiserswerth.

All die vielen Aufzeichnungen machen deutlich, welcher Geist Schwester Erika bewegte, von wem sie geführt und getragen wurde. Die Ev. Kirchengemeinde Götterswickerhamm ist dankbar, dass sie hier ihren Dienst getan hat.

 Käthe Benninghoff