Damals kam der Lehrer mit dem Fahrrad
Fünfzig Jahre Organist in der Evgl. Kirchengemeinde Götterswicker-hamm ist ein Jubiläum, das man feiern muss. Aus diesem Anlass sprach der Gemeindebrief mit dem Jubilar, Martin Petri .

Herr Petri, am 9.Juni feiern Sie ein Jubiläum: Sie sind dann fünfzig Jahre als Organist in der Gemeinde tätig und nicht nur das ...
ich bin außerdem seit 30 Jahren als Mitarbeiterpresbyter im Presbyterium und leite den Singekreis in Götterswickerhamm, der ja über viele Jahre Gottesdienste mitgestaltet hat.
Wann haben Sie angefangen mit der Musik?
Meine Geschwister und ich wurden von Otto Rempe, der auch vielen in Voerde bekannt sein wird, unterrichtet. Der kam 1947 immer mit dem Fahrrad nach Götterswickerhamm, wo er noch ein paar andere Schüler hatte.
Demnach haben Sie sehr bald im Gottesdienst den Gesang der Gemeinde begleitet.
Möllen gehörte damals zum Bezirk Götterswickerhamm, wo mein Vater , Walter Petri Pfarrer war, und der erste Gottesdienst fand im Juni 1952 in der Gaststätte Korfkamp an der Rahmstraße statt. Die gibt es heute nicht mehr. Zunächst spielte ich auf einem, ich muss schon sagen „winzigen“ Harmonium.. Dann benutzte ich ein privates Instrument, auch noch in der Kirche in Möllen, die ja 1961 gebaut wurde. Erst im April 1972 wurde die Orgel eingeweiht, für die sich damals Pfarrer Trauthig sehr eingesetzt hat.
Und so haben Sie eine ganze Reihe von sicherlich sehr unterschiedlichen Pfarrern miterlebt. Wie kommen Sie damit zurecht, zumal Sie ja nicht nur in Möllen spielen?
Natürlich vertrete ich die anderen hier in der Gemeinde auch und werde zu „Amtshandlungen“ gerufen, wie Hochzeiten, Ehejubiläen oder Beerdigungen. Es ist dann immer eine Frage der Absprache, und als Organist muss man sich eben anpassen.
Sie sagten, dass sie mit dem Klavier begonnen haben.
Das Orgelspiel habe ich mir selbst beigebracht. Eine besondere Ausbildung habe ich dafür nicht bekommen.
Wie sind Sie dann noch zu dem Singekreis gekommen?
Durch Johannes Neu. Der hatte den Kreis 1954 gegründet, und als ich mit dem Studium fertig war, hat er mich gebeten, die Leitung zu übernehmen. Da seine damalige Frau Organistin in Götterswickerhamm war, lag es nahe, dass wir Gottesdienste mitgestalteten.
Wenn Sie auf die fünfzig Jahre zurücksehen – was hat sich geändert?
Als Organist stelle ich fest, dass die Leute weniger mitsingen, vielleicht auch nicht singen können, woran das auch immer liegen mag. Natürlich hat sich auch der Ablauf, die Liturgie, im Laufe der Zeit verändert. Aber die Bereitschaft mitzusingen, hat eben nachgelassen.
Ich kann mir vorstellen, dass Sie auch merkwürdige Dinge erlebt haben.
Bei Amtshandlungen passiert schon mal das eine oder andere, über das man schmunzeln könnte. Doch das wäre nichts für die Öffentlichkeit.
Ich danke Ihnen, Herr Petri, für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin Gottes Segen.