100 Jahre Frauenhilfe Götterswickerhamm im Wandel der Zeit
Es gehört zu jedem Jubiläum, dass man innehält und zurück schaut; - denn zurückblickend versteht man vieles besser, wenn man sich die Zeit vor Augen hält, in der die Frauenhilfe entstanden ist: Es war das Jahr 1899, als die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria, angesichts der Verelendung vieler Menschen in den Großstädten des Deutschen Reiches, die Frauenhilfe ins Leben rief.
Die Urkunde der Frauenhilfe Götterswickerhamm ist am 11. Januar 1911 von der Kaiserin unterschrieben worden und hängt heute im Gemeindehaus Götterswickerhamm.
Der nachstehende Bericht soll an Menschen und Ereignisse erinnern, die zur Geschichte der Frauenhilfe Götterswickerhamm gehören und die Geschichte mitgeprägt haben.
In den zehn Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Frauenhilfe vielen Menschen, wo immer es nötig war, die helfende Hand gereicht: vor Ort, im näheren und weiteren Umkreis, in der ehemaligen DDR und weltweit. Durch Sammlungen und Eigenbeiträge haben sie konkrete Hilfe geleistet. Im Jahr 1914 gab es schon eine Verlosung mit praktischen Sachen, deren Erlös zur Linderung der Not in der eigenen Gemeinde bestimmt war. In den vielen Unterlagen im Archiv der Kirchengemeinde ist zu lesen, dass die folgenden Jahre von Krieg, Not, Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut geprägt waren. Immer wieder wird die Frauenhilfe zu Sammlungen und Spenden aufgerufen. So werden Ostern 1927 Eier für das Ev. Krankenhaus Dinslaken und 1931 für erholungsbedürftige Mütter aus den Großstädten des Reviers, die in der kirchlichen Erholungsstätte „Immenhof“ in (Oberhausen)-Schmachtendorf Ruhe und Entspannung fanden, gesammelt. In einer anderen Aufzeichnung aus dem Jahre 1927 wird berichtet, dass die Frauenhilfe eine Weihnachtsfeier für ganz bedürftige Familien der Gemeinde, die noch unter der augenblicklichen Notlage leiden, ausrichtet.
Und 1930 bat das Presbyterium im Auftrag der „Anstalten der Inneren Mission“ um Spenden von Lebensmitteln, die den Einrichtungen die Beschaffung der Wintervorräte für ihre Pfleglinge erleichtere. Wieder ist es die Frauenhilfe, die die Sammlung durchführt. Familien aus dem Dorf spendeten reichlich Kartoffeln und Möhren, die zwischen der Diakonenanstalt Duisburg, dem Schifferkinderheim Ruhrort und dem Jugendschutz Oberhausen aufgeteilt wurden. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Aus den Aufzeichnungen geht weiter hervor, dass der damalige Pfarrer Walther Petri stets bemüht war, den Frauen für ihre unermüdliche Hilfe ein Dank in Form von Ausflügen zukommen zu lassen. So wurden unter anderem die Persilwerke in Düsseldorf und die Lohengrinwerke in Kapellen besichtigt, wobei in dem Schreiben der Persilwerke unter anderem zulesen ist: Es dürfen nur Frauen kommen und sie müssen älter als 20 Jahre sein. Ein anderes Mal ging es zur Müngstener Brücke und Schloss Burg. Preis für die Autobusfahrt 4,-- RM pro Person. „Von einem gemeinsamen Mittagessen wollen wir absehen, damit die jedem Teilnehmer zwangsläufig erwachsenden Kosten nicht zu hoch werden“, schrieb Pfarrer Walther Petri in seiner Einladung.
Auch in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es schon einen Blick über den Tellerrand. So nahm die Frauenhilfe im Mai 1927 an einer zweitägigen Freizeit in Gahlen teil, die unter dem Thema: „Pestalozzi und Kindererziehung“ stand. Und das Jahresfest 1928 war betitelt: „Gottes Ruf nach christlichen Frauen“.
In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Aktivitäten der Frauenhilfe durch staatliche Eingriffe sehr eingeschränkt und sie mussten zum Teil in den Untergrund gehen. Sammlungen durften nur noch mit Genehmigung der Parteileitung durchgeführt werden. Aber auch damals gab es mutige Leute. So werden die Frauen gebeten, „herzlich und dringend an der 25-Jahr-Feier der Frauenhilfe Möllen teilzunehmen. Wir haben dort die Gelegenheit und die Pflicht, auch öffentlich zu zeigen, dass wir an unserer kirchlichen Frauenarbeit festhalten wollen“.
Nach dem Krieg knüpften die Frauen an die alte Tradition an und treffen sich seit dem wieder regelmäßig zu ihren Gruppenstunden. Inzwischen wurden neue Wege beschritten. Die heutigen Aufgaben sind andere und verlangen eine andere Behandlung. Die Gruppenstunden sind themenbezogen, christlicher und weltlicher Art, und die Mitarbeit in der Gemeinde ist auch nicht weniger geworden. Was machte die Kirchengemeinde ohne die Mithilfe der Frauen bei der Gestaltung der Seniorenfeiern und der Gemeindefeste?
Außerdem hat sich in der Vergangenheit ein Handarbeitskreis innerhalb der Frauenhilfe gebildet, der sich regelmäßig trifft und für den jährlichen Basar handarbeitet. Große Summen wurden erarbeitet, wie zum Beispiel die Anschaffung einer Kaffeemaschine und zwei Servierwagen für das Gemeindehaus. Dem Förderverein der Kirche wurden 10.000,- DM für den Einbau der Toilettenanlage gespendet. Die grünen und violetten Paramente für die Kanzel und den Altar in der Kirche sind auch aus dem Verkauf der Handarbeiten angeschafft worden. Kleinere Geldbeträge wurden dem Friedensdorf Oberhausen, der Waldschule in Bucholtwelmen und den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel gespendet.
Dass die Frauenhilfe auch bis in die heutige Zeit lebendig ist und sich bewegt, zeigt die Gründung der neuen Gruppe „Frauen mittendrin“ unter dem Dach der Frauenhilfe. Sie arbeitet projektbezogen und organisiert zum Beispiel den „Offenen Treff“ und die „Die offene Kirche“ in den Sommermonaten. Der letzte große Einsatz galt der Erstellung eines Kochbuchs, welches es den Frauen erleichtern soll, den Essensplan einer Woche zu erstellen. So hat heute jede Altersgruppe innerhalb der Frauenhilfe ihre Daseinsberechtigung.
In Rahmen der größten ökumenischen Basisbewegung, dem Weltgebetstag der Frauen, treffen sich die Frauen jährlich mit den katholischen Frauen zum gemeinsamen Gottesdienst.
Die Veranstalter bedauern es sehr, dass Schwester Erika, 92 Jahre, aus Altersgründen an der Jubiläumsfeier nicht teilnehmen kann. Sie leitete viele Jahre die Frauenhilfe und verbringt ihren Lebensabend im Mutterhaus in Kaiserswerth.
Anhang zum Festverlauf:
Der Festgottesdienst, unter Mitgestaltung des Posaunenchores, aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Frauenhilfe Götterswickerhamm, findet am kommenden Sonntag, dem 16. Januar 2011, um 14 Uhr in der Kirche Götterswickerhamm statt. Die Predigt hält Pfarrerin Ulrike Schalenbach aus Godesberg. Ab 15:30 Uhr findet im Gemeindehaus ein gemütliches Beisammensein statt. Es wird die Ausstellung „Frauen der Voerder Geschichte“ eröffnet, es gibt einen „Plattdeutschen Sketch“ und es werden Handarbeiten und das neuen Kochbuch. verkauft. Ausklang ist um 18 Uhr mit der Kabarettistin Sabine Henke.
Käthe Benninghoff